@ugenblicke 16 – Öfter mal Pause machen

Wenn in meinen Coachings & Seminaren zum Thema wird, wie wichtig häufige, gern auch kleine Pausen für langfristige Gesundheit & Belastbarkeit sind, bekomme ich die Standard-Antworten: „dafür habe ich keine Zeit“, „wenn mein Sohn ausgezogen ist“, „wie soll ich das denn einrichten?“ und so weiter. Die wenigsten versuchen überhaupt nur, in ihrem definitiv sehr voll gepackten Alltag den Fleck zu finden oder die Lücke zu schaffen, die es nur braucht für ein bisschen Ent-Spannung, Ab-Schalten, Runter-Kommen – eben „Mañana-Kompetenz“, wie die Autoren das nennen: das Hier & Jetzt wahrnehmen & genießen können – ohne immer schon beim nächsten Termin, Thema, Projekt zu sein – selbst wenn wir das alles selbst gewählt haben & auch genießen!

Wir verwechseln Dopamin-Rausch & Endorphin-Sucht mit gesunder Anspannung, auch mal auf Hochtouren, die sich abwechselt mit Phasen der Ent-Spannung, wo der Parasympathikus regiert. Diese Pausen sind unabdingbare Voraussetzung für langfristige Gesundheit & Wohlbefinden. Dauerhafte Unterdrückung, immer im Leistungs- & Funktions-Modus, führen zu zahlreichen Symptomen, wie sie auch bei Burnout & Depression zu finden sind: Verdauungsschwierigkeiten, Infektanfälligkeit, sexuelles Desinteresse – um nur einige zu nennen.

Um herauszufinden, wie wir unsere kurzen Pausen am besten gestalten (nachdem wir uns die Möglichkeit eingeräumt haben :-D), hilft es, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören: nach Wärme oder frischer, kühler Luft, nach Ruhe oder Bewegung, nach sozialem Kontakt oder Rückzug und so weiter (im Buch finden Sie dazu einen kleinen Test ab S. 129).

Persönlich glaube ich aufgrund jahrzehntelanger, positiver Erfahrung fest an die Macht der kurzen Pause von ALLEM: Bildern, Geräuschen, Infos, Berührungen… Ideal sind 20 Minuten, in denen Sie sich zurückziehen, bei Bedarf Ihre Tür abschließen & Ihre Telefone ausschalten – um dann Ihre bevorzugte Entspannungsmethode zu genießen. Ob Sie Traum-Reisen, autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Meditation in einer ihrer vielen Formen bevorzugen, ist letztlich Geschmacksache & ganz Ihnen überlassen – Hauptsache, Sie praktizieren irgendwas davon möglichst täglich, am leichtesten zu einem festen Zeitpunkt – ist aber keine Bedingung: Senken Sie die Anspruchsschwelle von Häufigkeit, Dauer & Regelmäßigkeit so weit ab, dass Sie ANFANGEN können & sich selbst davon überzeugen, wie unendlich wohltuend & Kraft spendend eine solche Pause ist – nicht umsonst heißt es, 20 Minuten tief entspannt ersetzen 2 Stunden Nachtschlaf (allerdings ohne die lebensnotwendigen REM-Phasen – also bitte keine Schlaf-Ersatz-Versuche!)

Viele weitere interessante Infos rund ums Thema finden Sie hier:

Gunter Frank / Maja Storch: „Die Mañana-Kompetenz – Auch Powermenschen brauchen mal Pause“, Piper Verlag München 2010, 205 Seiten € 9,95.

Und ich leg mich jetzt 20 Minuten hin – wahrscheinlich mit progressiver Muskelentspannung – und Sie?

Sie wissen doch: wenn nicht jetzt, wann dann?

Gutes, häufiges, leichtes Entspannen & herzliche Grüße,

Ihre Jutta Nather

@ugenblicke 09 – Wie geht’s mir heute auf einer Skala von 1 bis 10?

Hören Sie einfach mal auf Ihren Körper, Ihre Gedanken und Ihre Emotionen:

Wie fühlen Sie sich in diesem Moment –
auf einer Skala von 1 („besch…“) bis 10 („supertoll“)?

Bei einem Wert unter 5 können Sie sich folgende Fragen stellen und beantworten, damit Sie anfangen können, für sich selbst zu sorgen und eine Verschlechterung Ihres Zustandes zu verhindern. Die Liste ist natürlich nach Ihren eigenen Vorstellungen erweiterbar und soll Ihnen als Anregung dienen.

 

FrageJaTo Do’s – was kann mir helfen?
Schlafe ich schlecht ein?Entspannungstechniken, beten, laufen, CDs hören…
Schlafe ich schlecht durch, liege nachts wach?Entspannung; Ideen/ Gedanken im Dunkeln notieren; Aufgaben und Zeitaufwand planen…
Komme ich schlecht aus dem Bett?Mehr Schlaf? Unterstützung durch frühere Verabredungen/morgendliche Aufgaben?
Leide ich unter Selbstzweifeln?Teilerfolge würdigen/ EFT…
Kann ich mich zu nichts aufraffen?Verabreden, Ausruhen
Kann ich mich zu nichts entscheiden?Muss ich? EFT…
Habe ich keine Lust auf Tätigkeiten, die ich sonst mag?Ruhe, Ausspannen, Alleinsein; mit Vertrauenspersonen Lage analysieren und nach „Ansatz-Hebeln“ suchen…
Bin ich ungewöhnlich appetitlos?sonst verbotene Leckerlis gönnen…
Fühle ich mich erschöpft, ausgepumpt, matt?Ausruhen, schlafen, lesen
Bin ich hoffnungslos?Was fehlt mir? Wofür kann ich dankbar sein? Welchen Silberstreif am Horizont kann ich mir schaffen? EFT; professionelle Hilfe…
Habe ich den Wunsch, tot zu sein?Schleunigst Behandlung suchen: Psychotherapie, Homöopathie…
Stelle ich ohne besonderen Grund meine Beziehung in Frage?Was ist alles gut an und mit meinem Partner/meiner Partnerin? EFT…
Zweifele ich ohne Grund an meinen Freundschaften?Gegen-„beweise“, Verabredungen
Will ich nur im Bett bleiben?Warum nicht? Womöglich hilft Ruhe und Rückzug bei Erholung…
Würde ich am liebsten nie wieder zur Arbeit gehen?Misserfolge/Ängste relativieren; Auszeit planen/machen; EFT…
Muss ich mich sogar zum Hobby aufraffen?Neue Interessen entwickeln/ mit anderen ausprobieren; Pause beim alten Hobby? Behandlung irgendeiner Art suchen…
Habe ich Rückenschmerzen?Zilgrei, Feldenkrais, Laufen…

Haben Sie in der vorgegebenen Liste mehr als dreimal mit „Ja“ geantwortet, oder halten Symptome wie Schlaf- oder Appetitlosigkeit länger als einige Tage an, sollten Sie entweder Selbsthilfestrategien anwenden – oder sich professionelle Unterstützung suchen: Kombinationen aus mehreren Symptomen wie Antriebsarmut oder ein Gefühl der Gefühllosigkeit können (können!) auf eine beginnende Depression oder Ausgebranntsein hinweisen.

Je früher Sie aktiv werden und sich professionelle Unterstützung holen bei der Behandlungsperson Ihres Vertrauens, desto früher wird es Ihnen wahrscheinlich wieder besser gehen. Zumindest können Sie auch gemeinsam überlegen, welche unterstützenden Selbstbehandlungen Sie anwenden und zur Verhinderung von Rückfällen auch fortsetzen können.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß und Erfolg bei der Selbstpflege und Selbstbehandlung – alles Gute!

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Jutta Nather